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Berufung oder Lebenschance? 25 Jahre "Zwinger vom Tierfreund"

Als Kind hatte ich schon immer den Wunsch, einen eigenen Hund. Hatte ich auch, aber nur kurz, da meine Eltern der Meinung waren, ein Baby (es hatte sich eins angemeldet) und ein Hund zusammen, das geht nicht. Also musste der Hund weg. Ich litt sehr und schwor mir, wenn ich groß bin habe ich selber einen. Aber wie das so ist, es gingen dann doch ein paar Jährchen dahin, bis wir uns einen Hund angeschafft haben (inzwischen war ich verheiratet und hatte zwei Kinder). Wir schmuggelten einen kleinen Mischling, genannt Dingo, über die tschechische Grenze. Dingo wurde 17 Jahre alt.

Aber nach einem reinrassigen Hund hielten wir dennoch Ausschau, besonders als ich 1979 die niederschmetternde Nachricht erhielt, nie mehr vollständig arbeiten zu können, schon gar nicht als Kindergärtnerin. 9 Jahre lang hatte man nach der Ursache gesucht, mich als Hypochonder hingestellt. Ich war verzweifelt.

Auf der Suche nach dem richtigen Hund für alle, entschieden wir uns für einen Berner Sennenhund. Citty von Ebersbach hielt bei uns Einzug. Ein toller Familienhund und der Wunsch auf eine eigene Zucht keimte auf. Ich musste also mit Citty auf Ausstellung gehen und erreichten die geforderten SG-Bewertungen. Manfred stand auf Leonberger und nach zwei Jahren kam Aggy von der Simburg zu uns. Bloß gut, dass ich die beiden hatte, denn manchmal ging es mir so schlecht, dass ich aufgeben wollte. Aber dann brachten mich die Hunde in die Gänge und wenn ich mich dann wieder aufgerappelt hatte, ging es auch wieder. Als es mich dann einmal so erwischte, dass Manfred dachte, er kriegt mich nicht wieder, arbeitete er wie ein Berserker an den Bedingungen für eine Zwingerschutzgenehmigung. Da war das geforderte Hundehaus mit den entsprechenden Ausläufen, die Wurfkisten usw. Und ich? Na ja ich rappelte mich auf, der Zwingername "vom Tierfreund" wurde genehmigt und am 30.01.1982 kam der erste Berner Wurf. Ich selber hatte gerade eine Operation überstanden und musste nun auch noch einen Kaiserschnitt miterleben, vergaß aber darüber meine eigenen (Un)befindlichkeiten, (Schicksal oder Berufung?). Als Kassiererin wurde ich weitergefordert, gib nicht auf, du wirst gebraucht. Dann erhielt auch die Leonberger Hündin ihre Zuchterlaubnis. Mit beiden Rassen hatten wir je 3 Würfe. Aus dem 2. Berner-Wurf entstand sogar unsere erste Weltsiegerin, leider war sie nicht mehr in unserem Besitz. Ich stand mal wieder vor einem gesundheitlichen Desaster.

Mein lange gehegter Wunsch auf einen Westi erfüllte sich mit Saaros Westi Renie 1984. Nach sehr viel Arroganz einiger Westizüchter, war diese Frau sehr nett. Das Ausstellen war ja nun ganz anders und ich musste mich ganz schön umstellen. Das Trimmen lernen, Zurechtmachen oje. Am 13.03.1985 wurde unser Zwinger erweitert (schade, dass die Zeit im Klub nicht anerkannt wurde, dann wären wir schon 22 Jahre Terrierleute im Klub).

Leider hatten wir es wohl mit dem Kaiserschnitt unserer Hundezucht gepachtet. Reni hatte jeweils 2 und war somit schnell aus der Zucht. Ich war jedes Mal so deprimiert, dass ich aufgeben wollte. Dieses Auf und Ab von Glück und Pech, brauchte ich das? Dann wurde ich Stellvertreter der OG, also weiter machen. Nicht viel später wurde ich gar Vorsitzende, gibt man so auf? Es machte einfach Spaß, die eigene Begeisterung an Mitglieder und Hundekäufer weiterzugeben. Bis dato machte ich auch alles alleine, denn mein Mann und die Kinder teilten sich das Hobby Radsport. Sie liebten auch die Hunde, aber das Ganze drum herum mit den Ausstellungen war ihnen zu langweilig.

Dann kam die Wende, wir wurden 1991 im Klub für Terrier übernommen, einschließlich des existierenden Zwingernamen. Als dann unser Haus modernisiert worden war, hatte mein Gatte auch mehr Interesse an Ausstellungen. Dort gab es auch mehr zu entdecken.

Auf einer Ausstellung in Hof wuselten aus einem Wohnwagen mehrere Norfolkterrier heraus, diese Rasse hatten wir noch nie gesehen. Das sind sie, die müssen wir haben. Doch einen zu bekommen, gestaltete sich ziemlich schwierig. Dann sahen wir die Norwichterrier mit ihren süßen Stehohren und holten uns 1996 unsere Kim von der Fryburg. Ich als versierter Züchter hätte eigentlich sehen müssen, dass sie die Füße ausdreht, aber ihre Augen und das Black and Tan, ich nahm sie mit. Unser Zwinger wurde erweitert, unser Sohn stieg mit ein und am 22.11.1997 wurde Amigo geboren. Leider hatte er auch die ausgedrehten Füße geerbt, deshalb haben wir Kim auch nicht mehr belegt. Aber nichts desto Trotz, Manfred ging unbekümmert in den Ring und stellte, oft belächelt, seinen Amigo aus. Er war auch ein Zeiger und schaffte seinen KFTGh. Manfred hatte das Ausstellungsfieber gepackt. Mit Camilla vom Ihlerausch und dann mit Brenda hatten wir auch Erfolge. Es wurde zwar gesagt, auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Aber jetzt hatten wir schon mehrere gefunden. Dennoch haben die Ausstellungen damals noch mehr Freude gemacht, es wurde gemeinsam gefeiert.

Nun haben wir schon auf einige Erfolge zu verweisen und sind auch ganz schön stolz. Immerhin haben wir einen Weltsieger, 2 Vizeweltsieger, VDH Europasieger, FCI Europasieger, einige Klubsieger DuA Bundessieger D. u. A., 6 Multichampion, Jahrhundertsieger. Es ist gar nicht so einfach nach oben zu steigen, aber immer wieder dort zu bleiben, ist noch schwerer. Für mich ist das wie Medizin. Eben geht es mir schlecht, im Ring sehe ich nur noch meinen Hund und den Richter, alles andere ist wie weggeblasen. Trotzdem es ja auch immer teurer wird ist der Aspekt des Befindens auch nicht von der Hand zu weisen. Also Berufung oder Lebenschance?

Jetzt haben wir wieder so einen kleinen hoffnungsvollen Rüden. Sein Name ist Ikarus. Könnte sein, dass er noch besser wird.

Nach all den Erfolgen und üblen Nachreden wissen wir genau, was wir wollen. Zwar sind wir nicht mehr ganz so jung, aber unser Hobby macht Spaß und hält uns in Schwung.

Jetzt haben wir von unerwarteter Seite einen weiteren Erfolg. Letztes Jahr verkauften wir mit 8 Monaten unseren Nuck, er sollte eigentlich bei uns bleiben, weil er sich so gut entwickelt hat.

Einige Monate später teilte mir sein neuer Besitzer (ein Tiertrainer) mit, dass er ein Carsting gewonnen habe, jetzt Elvis heißt und den Film "Elvis und der Kommissar" dreht. Mich haute es erst mal um. Überlegung meinerseits, ist das für die Rasse gut? Aber da sie sich ja nicht so leicht "vermehren" lassen, wie alle anderen "Modehunde" haben wir unsere Zustimmung gegeben und unseren Achill als Double zur Verfügung gestellt. Vielleicht ist es gut, um dem Gerede Einhalt zu gebieten, dass die Rasse so belastet wäre. Denn solch einen Drehtag zu meistern vor Kamera ect. beweist doch, dass die Hunde was leisten können.

Wir sind stolz auf unsere Hunde, auf unserer 25 Jahre auf und ab und hoffen mit unseren Lieblingen noch lange aktiv zu bleiben.

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